Sternbach, Samuel Leo

Sternbach Samuel Leo(n), klass. Philologe, Byzantinist und Patristiker. Geb. Drohobycz, Galizien (Drohobyc, Ukraine), 2. 7. 1864; gest. KZ Sachsenhausen, Dt. Reich (Dtld.), 20. 2. 1940 (ermordet); mos.

Sohn eines Spediteurs. S. absolv. 1882 das Gymn. in Drohobycz und stud. danach bis 1885 abwechselnd an den Univ. Wien und Leipzig klass. Philol. Seinen Lehrern Otto Ribbeck in Leipzig und Hartel (s. d.) in Wien – der ihm ein Stipendium zur Kollation von Hss. der „Anthologia Palatina“ in Frankreich und Italien vermittelte – widmete S. seine diesbezügl. Stud. „Meletemata Graeca“, 1886, aufgrund derer er im selben Jahr in Wien „summa cum laude“ prom. wurde. Es folgten weitere textkrit. Arbeiten auf dem Gebiet der Graezistik (Aesop) und Byzantinistik. 1889 an der Univ. Lemberg. habil. und ab 1892 Inhaber des von Hartel für ihn neu geschaffenen dritten Lehrstuhls für klass. Philol. an der Univ. Krakau, verwertete S. die Ergebnisse weiterer Stud.reisen (Italien, Frankreich, Spanien) in weiteren Arbeiten zur „Anthologia Palatina“ bzw. „Planudea“ sowie in Ed. byzantin. Autoren (Georgios Pisida, Johannes Geometres, Photios, Kallikles), die z. Tl. noch heute Geltung haben. S. war Mitgl. bzw. Ehrenmitgl. poln., tschech., engl. und österr. Akad. und gelehrter Ges. und u. a. ab 1933 auch Präs. der Patrist. Komm. der Polska Akad. Nauk in deren Rahmen er eine Neuausg. der Ged. des Hl. Gregor von Nazianz vorbereitete. Zu seinen Schülern zählten u. a. Przychocki (s. d.), Tadeusz Sinko, Seweryn Hammer und Kazimir Kumaniecki. S. wurde nach der Okkupation Polens durch die Dt. im Rahmen der „Sonderaktion Krakau“ verhaftet und i. d. F. im KZ Sachsenhausen ermordet. Er war der Onkel des Chemikers und Pharmazeuten Leo Henry S. (1908–2005), des Entdeckers des Valiums, der ab 1941 in den USA lebte, und des in Indien, ab 1946 in New York, ab 1970 in Paris lehrenden Sanskritisten Ludwik S. (1905–2005).


Werke: W. (auch s. u. PSB; Kumaniecki): Abhh. in Wr. Stud., Rozprawy AU, Eos; Rezensionen u. a. in Ws. für klass. Philol., Z. für die österr. Gymn.; etc.
Literatur: Finkel–Starzynski, s. Reg.; Jüd. Lex.; PSB (auch für Ludwik S.); C. F. Kumaniecki, in: Eos 34, 1932–33, 1933, S. VIIff. (m. B. u. W.); S. Hammer, ebd., H. 1, 2, 1947, S. 9ff.; Biogramy uczonych polskich 1, 1985 H. 3; A. Bänninger – J. A. Costa e Silva, Good Chemistry. The Life and Legacy of Valium Inventor Leo S., 2004 (für Leo Henry S.); UA, Wien; Mitt. Joachim Dalfen, Innsbruck, Tirol, Hans Schwabl, Vlasta Reittererová, beide Wien.
Autor: (M. Nadraga – H. Reitterer)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 233

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  • geboren in > Drohobych
  • gestorben in > Oranienburg