Stadler, Albert

Stadler Albert, Beamter, Komponist und Schriftsteller. Geb. Steyr (OÖ), 4. 4. 1794; gest. Wien, 5. 12. 1884.

Sohn eines Beamten. S. erhielt seinen ersten Musikunterricht (Klavier, Gesang, Theorie) an der Normalschule in Steyr. 1805–12 besuchte er das Gymn. und den Konvikt im Stift Kremsmünster, wo ihm der Stiftsorganist Wenzel Wawra eine solide Musikausbildung vermittelte. 1812–17 stud. S. an der Univ. Wien Jus und wohnte im Wr. Stadtkonvikt, wo er mit Schubert (s. d.) an den zahlreichen musikal. Übungen teilnahm; vermutl. war er dort auch Kompositionsschüler Salieris (s. d.). Ab 1817 im Staatsdienst, war er an den Kreisämtern in Steyr (bis 1821), Linz (bis 1833), Wels (bis 1838), Ried (bis 1842), wieder in Wels (bis 1844), Salzburg (bis 1848), 1848–49 wieder in Steyr, schließl. 1849–57 als Statthalterei- bzw. Kreisrat in Salzburg tätig. 1858 i. R., übersiedelte er 1863 nach Wien. 1854 wurde er mit dem Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens ausgez. Von S.s vielfältigen musikal. Tätigkeiten sind – neben seinen eigenen, nur z. Tl. überlieferten Kompositionen – die zahlreichen (ca. 80 aus den Jahren 1820/21) Abschriften von Werken, die Schubert zum gem. Musizieren in den Stadtkonvikt mitgebracht hatte, von bes. Bedeutung. Diese sind heute, da Autographe fehlen, großteils deren älteste und zuverlässigste Überlieferung. Die Wertschätzung durch Schubert bezeugen die Vertonung einiger von S.s Dichtungen (D 220, 222, 666, 695) und die Widmung von zwei Werken (D 565, 685). In Steyr stand S. in engem Kontakt u. a. zu dem Vizefaktor der k. k. Hauptgewerkschaft und Musikliebhaber Sylvester Paumgartner und dem Advokaten Albert Schellmann, bei denen Schubert mehrmals zu Gast war. In Linz trat er der dortigen Ges. der Musikfreunde bei (bis 1833 deren Sekr., Ausschußmitgl. und Substitut des Violin-Dir.) und traf auch auf J. Frh. v. Spaun (s. d.), den Regierungsbeamten und Schriftsteller Anton Ottenwalt und die Familie des Reg.Rats Anton v. Hartmann, die zum Linzer Freundeskreis Schuberts gehörten.


Werke: Kirchenwerke; 15 Lieder; 4 Chöre; Streichquartettsatz (D Anh. I, 4, früher Schubert zugeschrieben). – Publ.: Zustand der Musik in der landesfürstl. Stadt Steyr in Österr. ob der Enns, in: Allg. musikal. Ztg. 5, 1821, Sp. 444ff., Nachdruck in: Musicologica Austriaca 3, 1982, S. 74ff.
Literatur: Sbg. Volksbl., 4. 4. 1884; oeml; Wurzbach; Wr. allg. Musik-Ztg. 3, 1843, S. 369, 5, 1845, S. 149f.; F. Schubert. Ausst. der WStLB …, Wien 1978, S. 42, 106, 156, 169, 178, 293, 310 (Kat.); S. Mühlhäuser, Die Hss. und Varia der Schubertiana-Smlg. Taussig in der Univ.bibl. Lund, 1981, s. Reg.; E. Hilmar, in: Schubert durch die Brille 5, 1990, S. 26ff.; P. Clive, Schubert and his world. A biographical dictionary, 1997; Schubert und seine Freunde, ed. E. Badura-Skoda u. a., 1999, s. Reg.; R. Steblin, in: Schubert-Perspektiven 2, 2002, S. 57ff.; Schubert-Enz., ed. E. Hilmar – M. Jestremski, 2 (= Veröff. des Internationalen F. Schubert Inst. 14), 2004.
Autor: (K. Mitterschiffthaler)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 59, 2007), S. 71f.

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